Die Hotelbranche wächst; dabei verfügt sie über beträchtliche Reserven im Tagungstourismus




Für die Hauptstadt Prag ist das Problem im Tourismus nicht die „Bedrohung durch Airbnb“, sondern der Mangel an hochkarätigen Konferenzen und Sportveranstaltungen.
Dies geht aus einem Interview im Magazin „Euro“ mit Gorjan Lazarov hervor, dem Leiter der größten tschechischen Hotelkette Orea. Er sagt, Prag habe ein enormes Potenzial – schließlich liege das Kongresszentrum nur wenige Minuten von der U-Bahn-Station entfernt, und die ganze Stadt sei eine fantastische Touristenattraktion.
Aber wir sind ein bisschen „faul“ – der Hotelier stellt einige recht interessante Fragen: Zum Beispiel: Warum dauert die Renovierung des Kongresszentrums so lange? Warum finden in der Hauptstadt keine Tennisturniere der Spitzenklasse statt? Und warum setzen wir uns nicht stärker dafür ein, dass die Menschen im Rahmen des Kongresstourismus hier mehr Geld ausgeben?
Es gibt definitiv Raum für Verbesserungen. Gorjan Lazarov zieht einen Vergleich mit Mailand, wo jede Messe für die gesamte Branche im Zeichen des Gewinnstrebens steht. Ganz zu schweigen davon, dass die Prager Hotels zwar hohe Auslastungsraten, aber unverhältnismäßig niedrige Preise aufweisen – auch dies würde Preiserhöhungen erfordern; doch wir befinden uns in einem Teufelskreis, da die Stadt nicht genügend attraktive Möglichkeiten für die Entwicklung der Hotelbranche bietet.
Die Branche wächst; laut Daten des Tschechischen Statistikamtes haben in der Sommersaison von Juli bis September 5,9 % mehr Menschen in der Tschechischen Republik übernachtet als im Vorjahr. In Tschechien sind 227.000 Menschen im Tourismusbereich beschäftigt; davon arbeitet etwa ein Sechstel allein in Hotels.
Dies ist einer der Gründe, warum Orea – das auch über ein eigenes Franchise-Konzept verfügt – plant, in den nächsten vier Jahren rund eine halbe Milliarde tschechische Kronen in den Bau neuer Hotels und die Renovierung bestehender Häuser zu investieren.
Laut Lazar kannibalisiert der vielgeschmähte Sharing-Economy-Dienst Airbnb die Hotelbranche nicht, sondern hilft Hoteliers vielmehr dabei, sich intensiver mit ihrem eigenen Geschäft auseinanderzusetzen. Fallstudien von Expense Reduction Analysts zeigen, dass in diesem Segment erheblicher Spielraum für eine wirtschaftlich effizientere Betriebsführung besteht und somit auch Ressourcen für die weitere Entwicklung vorhanden sind.
